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Herbstwanderung 2003

Fällt die Wanderung ins Wasser? Angesichts des Dauerregens in den Tagen vor unserer Herbstwanderung am 12. Oktober standen die Wetten eher dafür. Aber der Sonntag machte seinem Namen alle Ehren - schon beim frühen Aufstehen wurde man mit strahlendem Sonnenschein begrüßt.

Inmitten der herrlich herbstlichen Havellandschaft ging es zum Schloß Petzow am Schwielowsee, unweit von Potsdam.

Der Schloßpark wurde von Peter Joseph Lenné geplant - die Sichtachsen als sein Markenzeichen gewährten schöne Ein- und Ausblicke und luden zum Verweilen ein. Kein Wunder, daß aus der Wanderung eher ein Spaziergang mit angeregten Gesprächen wurde. Nur der Vorsitzende des Ortsverbandes Dr. Jörg D. Krämer mußte ob seines Tempos ab und zu „zurückgepfiffen“ werden. Vermutlich lag es daran, daß er den Weg schon zuvor abgegangen war und wußte, was noch auf uns wartete: ein kleines, touristisch (noch) nicht überlaufenes schönes Restaurant in einer ehemaligen Schmiede. Hervorragend gestärkt, folgte nach Landschafts- und Gastronomiekultur die Baukultur: eine Schinkelkirche, die von allen Fachleuten als neuromanisch im italienischen Stil bezeichnet wird. Für Laien machte ein entsprechendes Schild darauf aufmerksam. Aber nicht nur der Stil war beeindruckend, sondern auch die Aussicht von der Spitze des Turms: die ganze Havellandschaft lag uns kilometerlang buchstäblich zu Füßen.

Immer noch nicht müde, nahmen wir das letzte Ziel in Angriff: das Ziegeleimuseum Glindow. Die Ausstellung beschreibt und illustriert nicht nur den technologischen Prozeß der Ziegelherstellung, sondern veranschaulicht mit vielen Dokumenten auch die Geschichte des Glindower Ziegeleigewerbes, von dem seit 1462 verbrieften Tonabbau bis zur modernen Wiederbelebung fast vergessener Technologien.

Das Besondere an diesem Museum ist jedoch, daß der Besucher die geschichtlich aufbereitete Ziegelfertigung auch noch in Aktion sehen kann, wovon wir uns selber anhand einer sachkundigen Führung überzeugten. Auf dem Gelände befinden sich zwei denkmalgeschützte Ringöfen aus dem Jahr 1868. Der eine wird seit 1991 wieder restauriert. Der andere, größere Ofen wurde 1967 rekonstruiert. Seitdem treibt man hier das Feuer wieder ununterbrochen im Kreis. Selbiger schloß sich dann hier auch für den OV Berlin. Das Sprichwort „Berlin ist aus dem Kahn erbaut worden“ hat seinen Ausgangspunkt bei den großenteils verschwundenen Ziegeleien um Berlin. Allein aus Glindow (wendisch: Lehmdorf) wurden um 1870 jährlich mehr als 16 Millionen Ziegel aus den 50 Ringöfen auf Lastkähnen nach Berlin geliefert. Die zum Weltkulturerbe erhobene Museumsinsel ist ein Ergebnis dieser Produktion.

 

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