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Besuch
der Gedenkstätte Hohenschönhausen Lag es am wunderschönen frühlingshaften Wetter oder an der doch für die meisten zeitintensiven Anreise, der Ort hätte eine größere Beteiligung verdient gehabt. Die Teilnehmer haben aber am Schluß die teils einstündige Anreise nicht bereut. Dies lag sicherlich auch an den beiden Zeitzeugen, die in diesem Gefängnis für "Politische" einmal inhaftiert waren. Aus erster Hand informiert und geführt, kann man jedem einen Besuch nur ans Herz legen. Die zu oft für selbstverständlich angenommene Demokratie und die damit verbundene Achtung der Menschenwürde und Freiheit bekommt wieder ihren Stellenwert. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen befindet sich an einem Ort, der wie kaum ein anderer in Deutschland mit der 44jährigen Geschichte politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR verknüpft ist. Hier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ein sowjetisches Internierungslager eingerichtet, danach das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland. Anfang der fünfziger Jahre übernahm die Geheimpolizei der SED das Gefängnis und nutzte es bis 1990 als zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die Lebensbedingungen im Lager Hohenschönhausen waren sehr schlecht. Die Aufnahmekapazität von maximal 2.500 Personen wurde zeitweise erheblich überschritten. Im September 1945 waren hier über 4.200 Menschen interniert. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal, die Verpflegung unzureichend. Da die Häftlinge über keine Decken verfügten, litten sie im Winter zudem unter der großen Kälte in den unbeheizten Fabrikräumen. Viele von ihnen erkrankten an Epidemien und Mangelkrankheiten. Belastend war auch die völlige Ungewißheit über das weitere Schicksal und der Zwang zur monatelangen Untätigkeit. Nach offiziellen sowjetischen Angaben starben zwischen Juli 1945 und Oktober 1946 insgesamt 886 Menschen, Schätzungen gehen von über 3.000 Toten aus. Ihre Leichen wurden in der Umgebung in Bombentrichtern, Karbidkalkgruben und auf Schuttabladeplätzen verscharrt. Erst in den neunziger Jahren wurden die sterblichen Überreste von mehr als 250 Menschen auf dem nahegelegenen Friedhof in der Gärtnerstraße nachbestattet. Heute erinnert dort ein Mahnmal an sie. Formal entsprach die Einrichtung von Lagern zur Internierung von Kriegsverbrechern und Verdächtigen den in Jalta und Potsdam getroffenen Vereinbarungen der Alliierten. Interniert wurden jedoch nicht nur zahlreiche Nicht-Deutsche (vor allem Polen und Russen), sondern auch Frauen und Jugendliche. Der jüngste namentlich bekannte Internierte war 13 Jahre alt. Oft war eine Denunziation der Grund für die Inhaftierung, wie im Fall des berühmten Berliner Schauspielers Heinrich George, Vater von "Schimanski" Götz George. Die Internierten wurden oft jahrelang festgehalten oder von Sowjetischen Militärtribunalen verurteilt - ohne eine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Immer häufiger diente das Besatzungsrecht zudem dazu, potentielle politische Gegner auszuschalten. So starb der sozialdemokratische Kommandant der Berliner Schutzpolizei, Karl Heinrich, im November 1945 im Lager, nachdem er wenige Monate zuvor im Dienstzimmer des kommunistischen Polizeipräsidenten verhaftet worden war. Die meisten, die in den neunziger Jahren einen Antrag auf Rehabilitierung stellten, sind von den russischen Behörden inzwischen für unschuldig erklärt worden. Nach der Auflösung des "Speziallagers Nr. 3" im Oktober 1946 wurde das Fabrikgebäude zum zentralen sowjetischen Untersuchungsgefängnis umgebaut. Im Keller der ehemaligen Großküche wurden unterirdische, bunkerartige Zellen errichtet: das sogenannte "U-Boot". Die feuchtkalten Zellen waren lediglich mit einer Holzpritsche und einem Kübel ausgestattet. Eine Glühbirne war Tag und Nacht angeschaltet. Die Verhöre fanden vor allem in den Nachtstunden statt und waren oftmals von Drohungen, Beschimpfungen und körperlicher Gewalt begleitet. Ehemalige Häftlingen berichteten später, wie sie durch Schlafentzug, stundenlanges Stehen, tagelangen Arrest oder Aufenthalt in speziellen Wasserzellen zu Geständnissen erpresst wurden. Zu den Inhaftierten zählten neben NS-Verdächtigen vor allem mutmaßliche politisch-ideologische Widersacher: Vertreter der demokratischen Parteien SPD, LDPD und CDU, aber auch Kommunisten und sowjetische Offiziere, die politisch als nicht linientreu galten. Die meisten von ihnen wurden später von Sowjetischen Militärtribunalen zu langjähriger Zwangsarbeit verurteilt. Nach der Gründung des Staatssicherheitsdienstes übernahm dieser im März 1951 das Kellergefängnis. Anfang der sechziger Jahre mußten Häftlinge auf dem Gelände einen Neubau mit über 200 Zellen und Vernehmerzimmern errichten, der fortan als zentrales Untersuchungsgefängnis des Staatssicherheitsdienstes diente. Nebenan entstanden ein Haftkrankenhaus und später noch ein Hochhaus für die Vernehmerabteilung des MfS. In dem riesigen Gefängniskomplex wurden vor allem Menschen festgehalten, die politisch verdächtig erschienen oder die DDR illegal verlassen wollten, darunter der SED-Dissident Rudolf Bahro und der Schriftsteller Jürgen Fuchs. Statt mit physischer Gewalt wurden die Häftlinge nunmehr vor allem mit psychologischen Methoden zermürbt. Über den Ort ihrer Haft wurden sie bewußt im Unklaren gelassen. Von der Außenwelt und den Mitgefangenen hermetisch abgeschnitten, wurden sie durch speziell ausgebildete Vernehmer so lange verhört, bis sie die gewünschten Aussagen machten. Erst nach der Auflösung des MfS verbesserten sich die Haftbedingungen grundlegend - bis zur endgültigen Schließung des Gefängnisses am 4. Oktober 1990. Ironie der Geschichte: Der oberste Stasi-Chef Mielke saß in den letzten Wochen dieser Haftanstalt ebenfalls für kurze Zeit dort. Nachdem er sich beschwert hatte, "man hätte aus der Zelle ja gar keine Sicht nach draußen", wurde er nach Moabit verlegt.
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