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Von dort ging es in den Informations- und Pressesaal, vorbei an den Ölgemälden der ehemaligen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Nur Helmut Kohl, der Bauherr des Kanzleramtes, hatte noch keine Lust, sich verewigen zu lassen. Das Internationale Konferenzzentrum - in der Mitte des Gebäudes und dadurch ohne Tageslicht - glänzte dafür im wahrsten Sinne des Wortes durch Lackierungen, die Porsche einmal für seine Flitzer entwickelt hatte. Im Bankettsaal - die "Schlemmerecke" für die Staatsgäste des Kanzlers - erwartete uns eine herrliche Aussicht über den Tiergarten zum Potsdamer Platz. Nur die empfindlichen champagnerfarbenen Stühle durfte man ausdrücklich nicht berühren, geschweige denn sich darauf setzen. Die derzeitige Kanzlergattin hatte auch bei der Auswahl der Bezüge keine glückliche Hand. Den Kabinettssaal betrat man angesichts der in der letzten Jahren dort getroffenen Entscheidungen nur mit gemischten Gefühlen. An bessere Zeiten erinnerte aber die auf dem ovalen Tisch stehende goldene Uhr. Da auf jeder Seite des Kubus ein Ziffernblatt ist, sind es strenggenommen vier Uhren. Konrad Adenauer ließ sie schon zu Bonner Zeiten anfertigen, weil ihn das dauernde verstohlene Auf-die-Armbanduhr-Schauen seiner Minister nervte. Sie überdauerte die Zeit mit nur einer Änderung. Helmut Schmidt tickte sie zu laut, er ließ ein leiseres Uhrwerk einbauen. Zum Abschluß des Rundganges und nach zahlreichen interessanten Skulpturen und Gemälden - das Kanzleramt ist auch ein Ausstellungsort für aktuelle Kunst - boten uns die Terrassen im zweiten und dritten Stock nach vorne eine Panoramasicht über den Reichstag und das Parlamentsviertel. Nach hinten lockt der Kanzlergarten, der auch die Spree mit einer Brücke einbezieht, zum Entspannen. Da für uns das nicht möglich war, wurde spontan beschlossen, noch einen nahen Biergarten (Bild) aufzusuchen.
Der Stadtteil Moabit machte hier aufgrund zehnjähriger Bau- und Baggerarbeiten seinem Namen alle Ehren: Terre de moab - wüstes Land nannten die hugenottischen Siedler einst die Gegend. Jetzt steht hier auf einem früheren Zollgelände ein wunderschöner Biergarten versteckt in einem kleinen Kastanienwäldchen direkt an der Spree. Blickfang ist außer einer über 130 Jahren alten Rosskastanie auch die Hausmeisterwohnung des Kanzleramtes, die man im Hintergrund des Bilds noch erahnen kann. Egal, wer hier Hausherr ist: An den Hausmeister kommt er wohnungsmäßig nicht heran. Noch zwei Stunden stärkten wir uns, lernten uns besser kennen, machten überraschende berufliche Gemeinsamkeiten und Bekannte aus und erzählten Anekdoten aus dem ATB. Natürlich wurde auch das Kanzleramt beurteilt. Fazit: Auch uns ging es nicht besser als der Politik. Wir waren uneins. Den einen gefiel die klare, eher eckige Gliederung der Außenfassade besser, den anderen die eher fließend ineinander übergehenden Strukturen der Innenarchitektur.
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