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In Sichtweite des Reichstagsgebäudes, zwischen Pariser Platz und Spree, liegt der größte Parlamentsneubau: das Jakob-Kaiser-Haus. Dort arbeiten mehr als 2.000 Abgeordnete und Mitarbeiter des Deutschen Bundestages. Von der bunten, vielfältigen Architektur mit seinen modernen Kunstwerken, konnten sich 23 Mitglieder und Gäste des Ortsverbandes Berlin Ende Februar unter einer sachkundigen Führung überzeugen.

Im Hintergrund ist noch ein Teil des alten Versorgungstunnels zu sehen, durch den der Brandstifter 1933 in den Reichstag eingedrungen ist, um Feuer zu legen. Heute verbindet dort ein neuer Durchgangstunnel den Reichstag mit dem Jakob-Kaiser Haus.

Mit dem Jakob-Kaiser-Haus entstand mitten im Parlamentsviertel ein Bauwerk, das vorhandene Architektur integriert, frühere Straßenzüge aufgreift und sich so in die Berliner Art des Bauens einpaßt. Trotz Verschiedenartigkeit und Vielschichtigkeit im Äußeren, trotz Vereinzelung und Separierung im Inneren, stellt es eine homogene funktionsfähige Arbeitseinheit dar. Ein Rundgang durch das Haus der acht Häuser vermittelt, daß viele Köche, in diesem Fall fünf Architektenteams, nicht immer den Brei verderben.

Wohl kaum ein Name hätte die Symbolik von Ort, Vergangenheit und Perspektive treffen­der aufgreifen können als der von Jakob Kaiser. Der Nürnberger Buchbinder war in der Weimarer Republik entschiedener Verfechter des Parlamentarismus, wirkte als Zentrumsab­geordneter im wenige Meter vom heutigen Jakob-Kaiser-Haus entfernten Reichstag. Während der NS-Zeit im christlichen Widerstand engagiert, gründete er 1945 mit Gleichge­sinnten die CDU Deutschlands in der sowjetischen Besatzungszone. Also im östlichen Teil der Stadt, auf dem nun das nach ihm benannte Haus entstanden ist. Wegen seines Wider­standes gegen die Gleichschaltung der Gesellschaft warf ihn die sowjetische Militäradmi­nistration aus dem Vorsitz der CDU. Aber Kaiser machte weiter: als Abgeordneter des Stadtparlaments mit dem Wiederaufbau der Stadt, als Mitglied des Parlamentarischen Rates mit der Formulierung des Grundgesetzes und als Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen mit dem Wachhalten des Wiedervereinigungsgedankens. Er starb 1961.

 Die Berliner Traufhöhe von 22 Metern wurde für das Jakob-Kaiser-Haus nicht über­schritten. Dennoch gibt es grandiose Perspektiven. Die Verglasung bringt das parlamentarische Prinzip der Transparenz archi­tektonisch zum Ausdruck. Die bis auf den Boden heruntergezogenen Fensterflächen sorgen für ein außergewöhnliches Ambiente in dem an dieser Ecke untergebrachten Sitzungssaal. Sie geben den Blick frei auf das Reichstagsgebäude und den Tiergarten. 

 Nach über 90 Minuten offizieller Führung durch eine charmante sachverständige Führerin des Bundestages waren viele wohl „auf den Geschmack“ gekommen. So wurde noch ein kurzer Abstecher ins Paul-Löbe-Haus (PLH), dem zweiten Parlamentsbau mit Büroräumen und vor allem Ausschußsälen, organisiert, wo sich der Vorsitzende des Ortsverbandes Dr. Jörg Krämer als sachkundiger Führer präsentierte. Hier machte einmal ausnahmsweise nicht die derzeitige Regierungspolitik schwindelig, sondern die Fahrt in den verglasten Aufzügen und das Überschreiten der hohen und fühlbar schwingenden Hallenbrücken des 200 Meter langen und 100 Meter breiten Gebäudes. 

Und weil alle guten Dinge drei sind, statten wir auch noch der Dame unter den Häusern einen Coleurbesuch ab. Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wurde erst kürzlich dem Bundestag übergeben und ist mit dem PLH durch eine Brücke im sechsten Stock über die Spree verbunden. Hier zieht in den nächsten Wochen nicht nur die drittgrößte Parlamentsbibliothek der Welt ein, sondern hier befindet sich auch eine kleine Sporthalle und ein Fitneßraum - frei nach der Devise: gesunder Geist in gesundem Körper.  

links oben im Hintergrund die Brücke über die Spree, die Sportstätten befinden sich gegenüber dem Schiff im Keller

 Als akademische Sportverbindung waren wir also geradezu verpflichtet, hierhin zu pilgern, obwohl das Gebäude offiziell noch nicht für Führungen geöffnet ist und der Sicherungsdienst mit „sehr sparsamen Gesichtsausdruck“, aber ohne Einwände reagierte. Sportliches Fazit: Mit insgesamt fast dreieinhalb Stunden Führung zeigte die Gruppe eine exzellente ATBer-Kondition. 

 

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