Ausflug „Weltkulturerbe“ in seinen unterschiedlichen Formen - dies war unser nächster Themenschwerpunkt im Ortsverband Berlin. Ein Ausflug zu ausgewählten Stätten im Neuen Garten von Potsdam an einem schönen Sonn(en)tag im Mai stand auf dem Programm. Zur Einstimmung genoß die 15köpfige Gruppe per Schiff die landschaftliche Schönheit des Wannsees. Kulturell wurde nach der Überfahrt mit einer Führung durch die Brauerei Meierei begonnen, um dem alten Kulturerbe der Bierherstellung unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Direkt am Jungfernsee, mit herrlichem Blick aus originalgetreu-rekonstruierten gotischen Fenstern auf Königswald und Glienicker Volkspark, liegt die Meierei im preußisch-ländlichen Wirtshausstil. In dem im Jahre 1790 errichteten Gebäude wurde ursprünglich die Milch von im Neuen Garten weidenden Kühen zu Butter und Käse verarbeitet. Die Meierei war 1790-1792 unter Friedrich Wilhelm II. von Andreas Ludwig Krüger, nach Angaben von Carl Gotthard Langhans, errichtet worden. Neben dem Kuhstall und der Meierwohnung befand sich in der Meierei ein tapeziertes und furniertes Kabinett, in dem der König Milch aus grünen Gläsern trank. Schon um 1800 bekamen auch die Parkbesucher Milch und Kaffee angeboten. Der unerlaubte Tabakgenuß und der Ausschank von Branntwein empörten zwar den Hofmarschall, machten die Meierei aber bald zu einem beliebten Ausflugsziel. 1844 erweiterte Ludwig Persius es zu einer burgartigen Anlage, im Jahre 1861 wurde ein Pumpwerk angebaut, das bis heute den Neuen Garten bewässert. Zu DDR-Zeiten zerfiel das im Grenzgebiet stehende Gebäude. Lediglich das Pumpenhaus blieb weiter in Betrieb. Nach über einjähriger Restaurierung wird nun die Tradition der Gästebewirtung fortgeführt. Direkt neben dem Haupteingang erwartet die Gäste als erstes der Blick auf die glänzenden Sudgefäße aus Kupfer. Auch wenn sie wie eine schöne Dekoration wirken, dienen sie in erster Linie zum Brauen der hauseigenen Biere. Die Produktion direkt im Gasthaus hat den Vorteil, daß immer nur kleine Mengen gebraut werden und das Bier direkt aus dem Tank gezapft wird. Im Anschluß an die Führung, die Verkostungsprobe und ein Mittagessen bot sich für einen Teil der Gruppe die Gelegenheit, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobene Schloß Cecilienhof zu besichtigen. Das Schloß wurde als letztes Schloß der Hohenzollern im Stil eines englischen Landhauses erbaut und war 1945 Schauplatz der Potsdamer Konferenz mit den Regierungschefs der drei Siegermächte USA, Sowjetunion und Großbritannien. Die organisatorische Vorbereitung der Konferenz lag in den Händen der Sowjetunion. Als aufmerksame Gastgeber versuchten die Kommunisten die Arbeitszimmer der Regierungschefs im Stil und der Ausstattung so zu gestalten, daß sie sich heimisch fühlen sollten. Die Vorstellung der Sowjets von englischen Möbeln hatte zur Folge, daß Winston Churchill seinen Schreibtischstuhl höchst unbequem, weil als zu klein empfand. Er saß deshalb meistens auf dem Sofa. Lange mußte er aber nicht leiden, da er durch seine Wahlniederlage in England bald durch Clement Attlee abgelöst wurde. Der andere Teil der Gruppe besuchte eine Ausstellung anläßlich des 50. Todestages von Cecilie, der letzten deutschen Kronprinzessin. Während ihr Mann 1918 mit ins Exil gegangen war, blieb sie in Deutschland. Nach verschiedenen Stationen wohnte sie bis 1945 wieder in „ihrem“ Schloß und machte es zu einem Treffpunkt für Künstler. Vor der roten Armee geflohen, starb sie 1954 in Stuttgart. Nachmittags ging es dann wieder über den Wannsee zurück. Das schöne Wetter blieb uns treu, so daß der Tag sowohl für Kulturbefliessene als auch Sonnenhungrige ein voller Erfolg war.
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