Start Veranstaltungen Verschiedenes Kontakt

Herrliches Sonntags-Sommerwetter erwartete den OV Berlin bei der Besichtigung des Berliner Olympiastadions Mitte Juni. Es galt, ein Stück Deutschland in seiner wechselvollen Sportgeschichte und Architektur unter fachkundiger Führung zu entdecken.

Das Olympiastadion wurde von 1934–1936 anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 mit einem Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern erbaut. Am selben Ort befand sich zuvor das Deutsche Stadion, das seinerseits 1913 auf dem Gelände der Rennbahn Grunewald anlässlich der für 1916 geplanten Olympischen Spiele errichtet wurde. Wegen des Ersten Weltkrieges fanden die Olympischen Spiele jedoch 1916 nicht statt.

Formal orientiert sich das Stadion mit seinen klaren geometrischen Grundformen an antiken Sportstätten. Es ist zur Hälfte ein Erdstadion, das heißt, nur der Oberring befindet sich über Erdniveau, weswegen die Wirkung durch die Natursteine nicht so übermächtig ausfällt, wie sich das die damaligen Machthaber vielleicht gedacht hatten. Auch die schmalen Pfeiler geben sich eindeutig als verblendete Stahlkonstruktion zu erkennen und entsprechen damit nur bedingt dem Formenkanon der nationalsozialistischen Architektur. Dies ist dem Architekten Werner March zu verdanken.

Im Olympiastadion hängen große Tafeln mit den Siegern von 1936, die verdeutlichen, wie sehr Sport manchmal Politik mit anderen Mitteln sein kann.

Korea gehörte 1936 zu Japan. Ein koreanischer Olympiasieger bekam deshalb als Starterland Japan hinter seinen Namen eingemeißelt. 1991 fiel dann bei einem Abgleich der Listen auf, dass hinter diesem Namen Korea stand. Recherchen ergaben, dass um 1970 ein Koreaner sich hatte einschließen lassen, Japan weg- und Korea hinzugemeißelt hatte. Was über 20 Jahre niemandem auffiel, würde auf Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees wieder rückgängig gemacht. Heute prangt wieder Japan hinter dem Namen und  nur noch die etwas hellere Betonausbesserung erinnert an diese Episode.

Nach dem Umbau bietet modernes Interieur alle gastronomischen Annehmlichkeiten. VIP-Logen für Hertha-Spiele können für 120000 Euro pro Saison gemietet werden. Dass Berlin noch manchmal auch im Kleinen seine Rolle als selbsternannte „Weltmetropole“ sucht, zeigte sich in den Restaurants. Die Toiletten sind zwar zweisprachig ausgewiesen. Jemand nahm aber das us-englische „restroom“ zu wörtlich und als Übersetzung prangt jetzt auch „Ruheraum“ auf den Türen.

Herausragende Kennzeichen des umgebauten Olympiastadions sind heute das jetzt alle Ränge umfassende Dach und eine blaue Tartanbahn. Die blaue Farbgebung als Vereinsfarbe wurde auf Wunsch von Hertha BSC umgesetzt, die auch die nicht unerheblichen Mehrkosten für diese Neuentwicklung einer deutschen Firma getragen hat. Allein die Dachkonstruktion, die nicht geschlossen ist, um weiterhin den Blick aus dem Marathontor nach draußen zu ermöglichen, hat rund 26 Millionen Euro und damit ca. 11 Prozent der Baukosten verschlungen. Nach Abschluss der Bauarbeiten fasst das Stadion 74.500 Sitzplätze. Es ist nun eine gelungene Mischung aus Alt und Neu, ein würdiger Rahmen für das WM-Endspiel 2006.

 

Start Veranstaltungen Verschiedenes Kontakt