„Berliner Unterwelt“ mit Mitgliederversammlung 2005 Die Berliner Unterwelt hat schon immer die Phantasie angeregt. Doch nicht das Verbrechertum stand im November auf der Tagesordnung, der OV Berlin hatte sich der vermeintlich harmloseren Variante gewidmet: der Berliner Stadtgeschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive! Bunker aus dem 2. Weltkrieg, aber auch moderne Luftschutzanlagen, Kalter Krieg und Geisterbahnhöfe waren das Informationsziel. Schnell wurden allerdings viele positive Vorurteile ausgeräumt. Der Name klingt verheißungsvoll: U-Bahnhof „Gesundbrunnen“, dem angegliedert ein noch heute gebrauchter Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg als unser erstes Besichtigungsobjekt. „Wenn es ernst wird, nehmen Sie einen guten Rotwein, setzen Sie sich auf den Balkon und genießen Sie das Schauspiel“, so die ernüchternde Aussage unseres Führers vom Verein „Berliner Unterwelten e. V.“ Von Anfang an bot der Luftschutzkeller keinen Schutz vor Bomben. Größere Bomben hätten allein schon aufgrund ihres Eigengewichtes die Decke durchschlagen. Glück im Unglück: Während des 2. Weltkrieges machten die Bomber einen großen Bogen um dieses Gebiet, weil direkt nebenan eine Luftabwehrstellung existierte. Für noch nicht einmal ein Promille (30.000) der Berliner Bevölkerung (ca. 3,5 Millionen) existieren heutzutage Schutzräume. Sinn des Ganzen ist es eher, die Bevölkerung davon abzuhalten, im Gefahrenfall aus der Stadt zu flüchten und alle Straßen zu verstopfen. Nach dem Prinzip Hoffnung kann sie 23 Schutzräume in Berlin aufsuchen, nur um jedesmal zu erfahren, das schon alles belegt ist. In der Zwischenzeit können Armeee oder Rettungsdienste die freien Straßen nach Berlin nutzen. Als ehemalige Grenzregion zwischen dem Ost- und dem Westteil Berlins war der Bunker auch als Ausstellungort zum „unterirdischen“ Mauerbau prädestiniert. So erfuhren wir einiges über die eigentümliche und bizarre Welt der „Geisterbahnhöfe“, wo West-U-Bahnen den Ostteil der Stadt ohne Stopp unterquerten oder mit welch ausgeklügelten Methoden die Abwasserkanäle gesichert wurden. Wie schnell damals der Mauerbau durchgeführt wurde, zeigen Photos aus der Zeit nach der Wiederöffnung einiger Grenzbahnhöfe: Damals auch als Kneipen genutzt, standen nach 40 Jahren noch ungeöffnete Bierflaschen auf der Theke. Nach einem U-Bahn-Transfer zum benachbarten U-Bahnhof Pankstraße wurde eine „moderne“ Schutzanlage gezeigt. Im Notfall fahren noch zwei U-Bahnen ein, dann wird der Bahnhof mittels Stahlbetontüren abgeschottet. Diese 1977 errichtete sogenannte Mehrzweckanlage hätte im „Ernstfall“ rund 3.400 Menschen Schutz für mehrere Wochen bieten sollen. Sie ist damit die viertgrößte Zivilschutzanlage Berlins, die immer noch voll ausgestattet und funktionsfähig ist und sogar über ein unterirdisches Wasserwerk verfügt, um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Zwei Wochen kann man dort maximal verbringen. Man bekommt dort eingelagerte Trainingsanzüge gestellt. Allerdings ist es nicht möglich, während dieser Zeit zu duschen und man muß abwechselnd in den Notbetten schlafen. Diese Aussichten trieben uns schon nach zwei Stunden an die Oberfläche zurück. Kaffee und Kuchen im Hotel Holiday Inn waren dann doch die bessere Alternative und unsere anschließende alljährliche Mitgliederversammlung wurde zügig durchgeführt, der Mitgliedsbeitrag wieder auf 20 Euro im Jahr festgelegt, ein neues Mitglied aufgenommen und direkt zum Beauftragten für das Photowesen bestimmt - mit ausbaubarem Erfolg, wie die von ihm gemachte Aufnahme belegt.
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