„Hit"-verdächtig war die Sommer-Aktion des OV-Berlin im August. Die Hansa Tonstudios in Berlin sind ein El Dorado für Musik-Begeisterte, aber auch für Technik-Freaks und Akustik-Ästheten! Gleichzeitig kommen Freunde der Lokalgeschichte ebenso auf ihre Kosten. Doch der Reihe nach: "The Big Hall by the wall", so nannte David Bowie in den 70er Jahren das Studio 2 (Meistersaal) der Hansa Studios in der Nähe des Potsdamer Platzes und schuf damit ein geflügeltes Wort in der Musikbranche. Das Gebäude war zu dieser Zeit ein allein stehendes Haus direkt an der Berliner Mauer. Seinen Ursprung kann und will es bis heute nicht verleugnen: Um die Jahrhundertwende erbaute die Handwerker-Innung Berlin das Haus, um dort einen Versammlungsraum zu haben, der auch für die Freisprechung der Meister diente. Der „Meistersaal“ hat daher seinen Namen und existiert nach einer grundlegenden Renovierung in seinem ursprünglichen Zustand heute wieder. Mit Hilfe von Anleihen an das klassisch-griechische Dekor wurde ein wunderschöner Saal geschaffen, der heute als „Location“ für „Events“ dient. In den siebziger und achtziger Jahren war daraus ein Musikstudio geworden. Künstler aus den USA, England und der ganzen Welt kamen, um hier ihre Aufnahmen zu produzieren. Es war nämlich aufgrund der Berlin-Förderung billiger, mit Mann und Maus anzureisen als in den heimatlichen Studios zu arbeiten. Und die Voraussetzungen waren mehr als erstklassig: Allein für die optimalen Klangbedingungen eines ca. fünfzehn Quadratmeter großen eigenen Schlagzeugraum wurden damals 250.000 DM ausgegeben.
Hier schrieb und produzierte Bowie seinen Berlin-Hit "Heroes", hier arbeiteten außerdem Iggy Pop, Depeche Mode, U2, Nena, Zarah Leander und viele andere Musiker an ihren spektakulärsten Alben. Viele Geschichten ranken sich um die Studios: Die Band „Einstürzende Neubauten“ machte ihrem Namen alle Ehre, als sie im Meistersaal Tonnen aus fünf Meter Höhe auf den Boden fallen ließen, um den „Sound“ aufzunehmen. Als bei einem Besuch von David Bowie der Aufnahmeleiter zum Scherz die nur wenige Meter weiter auf der anderen Seite der Mauer horchende Stasi „begrüßte“, warf sich der halbe Tross auf den Boden. Man befürchtete Schüsse. Heute eine skurril anmutende Anekdote, damals bitteres Zeitgefühl. Noch heute werden die Hansa Studios von Künstlern wie Nina Hagen oder Max Raabe genutzt, die einmalige Akustik im Meistersaal kann man nach wie vor genießen und im legendären Hansa "Mischraum" wird immer noch der letzte Schliff an eine Produktion gelegt. |
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