Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Bier-Brauereien
die Pioniere des Untergrundes in Berlin. Doch nicht nur die zu ehren, die
vor uns brauten, sondern auch die zu prüfen, die heute brauen, ist ein
Anliegen des OV Berlin-Brandenburg. Das Ziel im Mai diesmal: Die
Besichtigung des Areals der ehemaligen Berliner Kindl-Brauerei in Berlin
Neukölln. Um das im 19. Jhd. immer populärer gewordene
untergärige Bier herstellen zu können, bedurfte es großer Lager und
Gärkeller. Diese wurden tief in den Berliner Boden getrieben und waren
seinerzeit die größten unterirdischen Bauwerke. Da im Stadtzentrum der
Grundwasserspiegel sehr hoch ist, siedelten sich viele Brauereien vor den
damaligen Toren der Stadt an. Hier konnte man stellenweise bis zu knapp 20
Meter tiefe Kelleranlagen errichten. Vornehmlich in den heutigen Stadtteilen
Prenzlauer Berg, Kreuzberg und in Neukölln wuchsen die Brauereien wie Pilze
aus dem und vor allem in den Berliner Boden. Auf dem Höhepunkt gab es 120
Berliner Brauereien, heute existiert neben vereinzelten kleinen
Privatbrauereien nur noch eine große überregionale Brauerei. Als
Dachgesellschaft bündelt sie Einzelmarken, die sich früher „spinnefeind“
waren und angeblich immer noch sind. Nach einem Einführungs-Bildervortrag über das Brauen
und die Brauereien stand als erstes das historische, denkmalgeschützte
Sudhaus mit seinem imposanten Kupfersudwerk an.
Wie so viele außergewöhnliche „Location“ in Berlin
wurde auch der Keller einige Zeit für spontane „Events“ genutzt. Heute
zeugen noch in den Gewölben und Gängen ausrangierte Sofas, leere
Jägermeister- und mittlerweile verbotene Alcopopflaschen von diesen Zeiten.
Doch auch Metall-Diebe nutzten Gelegenheiten; viele Rohre wurden in der
Dunkelheit abgesägt. Nachdem wir den historischen Teil hinter uns gelassen
hatten, wurde uns das demonstriert, wie heute Bier gebraut wird. Unter dem
alten Sudhaus braut seit Oktober 2009 die Privatbrauerei „Am Rollberg“
verschiedene Bierspezialitäten.
|
|||||||
|